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Freitag, 25. Juni 2010

Rudelverhalten

Tatort: Ein beliebiger Zebrastreifen in Wien.
Auf beiden Seiten der Fahrbahn stehen eine Handvoll Menschen. Als die Ampel für die Autos auf rot springt, betritt ein Mensch die Fahrbahn. Das ist der Startschuss für gut zwei Drittel der Anwesenden ebenfalls die Fahrbahn zu betreten - ohne auf die Kfz-Ampel zu sehen. Es reicht, dass sie einen Menschen sehen, der die Fahrbahn überquert und schon wird der Herdentrieb aktiv.

Das Experiment lässt sich an jedem Zebrastreifen wiederholen. Ich empfehle hierzu die Mariahilfer-Straße an einem Samstag für die größten Erfolgsaussichten.

Donnerstag, 17. Juni 2010

Dichand ist tot

Wie auch beim Tod von Jörg Haider sage ich folgendes: Menschlich ist der Tod eines jeden Menschen tragisch, als Medienzar wird mir Dichand nicht fehlen.

Dichand hat aus der Krone das gemacht, was sie heute ist: Eine Zeitung, die eine äußert bedenkliche Meinung einer Vielzahl von Österreichern jeden Tag aufs Neue eintrichtert. Die Parolen sind einfach und platt: Ausländer sind kriminell, die EU ist böse, Politiker sind Schmarotzer.

Zu den auserwählten Günstlingen der Krone zählten Jörg Haider, Karl-Heinz Grasser, Barbara Rosenkranz und Hans-Peter Martin (der auch regelmäßig Texte dort veröffentlichen durfte). Ebenfalls als Kolumnist trat Mölzer auf. Mit Richard Nimmerichter (Staberl) und Wolf Martin wurden und werden Menschen beschäftigt, die zum Teil mehr als bedenkliche Texte und Verse publizierten.

Die Leserbriefe schrammen teilweise an der Illegalität vorbei und sind menschenverachtend.

Die gegen die EU gerichtete Berichterstattung untergräbt aktiv die Versuche ein gemeinsames Europa zu schaffen und schafft ein ablehnendes Klima gegen alles, was aus der Union kommt (man denke zB an die "Marmelade-Affäre").

Und das Allerschlimmste: Die heimische Innenpolitik hat sich diesem Blatt unterworfen und das ist beschämend. Ich teile die Meinung der Krone in keinster Weise und ich habe die Krone nicht gewählt. Also erwarte ich von den Politikern, dass sie nicht die Politik machen, die die Krone will.

Ansonsten ist alles wie beim Tod von Haider: Natürlich traut sich niemand jetzt ein schlechtes Wort über Dichand zu verlieren, diese Heuchelei ist kaum auszuhalten.

Mittwoch, 16. Juni 2010

Sprichst du deutsch?

Eine Privatschule in St. Johann im Pongau legt den Schülern nahe, Deutsch zu sprechen. Auch in Privatgesprächen ist Deutsch zu verwenden. Die Ausnahme sind Gefühlsausbräuche (besondere Freude oder Ärger), danach solle man aber schleunigst wieder auf Deutsch wechseln.

Mehrere Fragen drängen sich mir auf:
Warum dürfen sich zwei Menschen nicht in der Sprache unterhalten in der sie wollen? Weil sich die 385 deutschsprachigen Schülern der 400 Schüler ausgeschlossen oder ausgelacht vorkommen? Das kann doch bitte kein Grund sein, eine Fremdsprache zu verbieten. Darf in dieser Schule eigentlich Dialekt gesprochen werden oder ist das auch nicht mehr erlaubt, hier könnten sich immerhin die fremdsprachigen Schüler augeschlossen fühlen, die vielleicht hochdeutsch nicht aber Dialekt verstehen können. Und wehe es unterhält sich jemand flüsternd!

Die SPÖ unter Gabi Burgstaller unterstützt diese Aktion (das soll sozialdemokratisch sein?), die ÖVP-Landesrätin Doraja Eberle meint gar: "Wenn jemand nicht Deutsch reden will, dann kann er auch schweigen". Das ist eine offene Verhöhnung und nicht harmloser als die Forderung der FPÖ diese Regelung an allen Schulen einzuführen. Was ist nur mit diesem Land los?

Arigona

Es gibt selten Themen bei denen ich mir schwer tue, eine Meinung zu haben, der Fall Zogaj war aber so ein Thema.

Das menschliche Schicksal berührt natürlich, da ist ein Mädchen, das integriert ist und abgeschoben werden soll. Im ersten Moment tendiert man dazu gegen eine Abschiebung zu sein und auf ein humanitäres Bleiberecht zu hoffen.

Wirft man allerdings einen zweiten Blick auf den Fall, dann zeigt sich folgendes: Seit der illegalen Einreise von Arigona Zogaj 2002 hat es keinen einzigen positiven Asylbescheid gegeben, weder für Arigona noch für ein anderes Familienmitglied. Die Familie musste also jederzeit damit rechnen abgeschoben zu werden. Dass sie diese immer wieder verhindert hat indem sie weitere Berufungen stellte, ändert nichts an dieser Tatsache.

Natürlich liegen die ursprünglichen Probleme in einer zu restriktiven Einwanderungspolitik gepaart mit zu langen Asylverfahren - dennoch darf sich ein Land nicht erpressen lassen und es wäre geradezu Heuchelei, wenn man dieser Familie ein Aufenthaltsrecht erteilt und sich als weichherzig präsentiert, während man im selben Moment andere Familien abschiebt, deren einziges Pech es war, nicht in die Medien zu kommen.

Es wird Zeit für offene Grenzen in ganz Europa, dann würde man sich solche Diskussionen von Haus aus sparen.

Samstag, 12. Juni 2010

Videoabend

Julie & Julia
Ich mag Filme, die etwas anders sind und dieser Film gehört definitiv dazu. Die Idee zwei Geschichten in einem Film zu erzählen war sehr gut und vor allem die schauspielerische Leistung von Meryl Streep (nach der schlechten Leistung von "Mamma mia") hat mir gut gefallen. Wenn man was an dem Film aussetzen kann: Er ist vielleicht eine Spur zu lang. Er beweist: Die besten Geschichten schreibt das Leben.


Der Kaufhaus-Cop
Normalerweise vermeide ich solche Filme: Der Titel, das Cover und einfach alles an dem Film schrie direkt: Trash! Aber die Vorschau hatte mich doch ein-, zweimal zum Lachen gebracht. Und so wagte ich es. Nach ca. 15 Minuten war ich kurz davor abzuschalten und schämte mich dafür, dass ich diesen Film durch das Ausborgen unterstützt hatte. Es wurde dann etwas besser, bevor das Ende noch einmal echt richtig schlecht war. Meine Lektion: Ich sollte auf meine Erfahrung hören - solche Filme sind NICHT lustig.

Montag, 7. Juni 2010

Bochum

Anreise:
Bochum liegt 941km von Wien entfernt, um diese Strecke zu bewältigen haben wir folgende Verkehrsmittel gebraucht: Straßenbahn, Straßenbahn, Zug, Flugzeug, Kabinenbahn (Bild) und nochmal Zug. Zum Glück war wenigstens das Hotel neben dem Bahnhof. Die Anreise wird dadurch verlängert, dass Bochum keinen Flughafen hat und die Anreise somit vom 50km entfernten Düsseldorf erfolgen muss.

Hotel:
Das Hotel war groß, das Personal war freundlich, die Zimmer sauber und dass das Zimmer ein Raucherzimmer war bemerkte man fast nicht. Das Problem waren die Aufzüge. Wir wohnten im 12. Stock und hatten einen schönen Ausblick über die nähere Umgebung. Die einzige Möglichkeit in den zwölften Stock zu kommen lag bei den Aufzügen, da es eine Treppe nur außerhalb des Hotels gab, zu der man zwar hinaus, aber von der man nicht mehr hineinkam. Von den 2 Personenaufzügen funktionierte schon beim Check-In einer nicht, weswegen die Gäste schon auf den dritten Aufzug auswichen, der eigentlich für das Personal bestimmt war. Richtig rund ging es aber erst am zweiten Tag als auch der zweite reguläre Aufzug den Geist aufgab. Von da an wurde jede Fahrt ins Zimmer zum Geduldsspiel. In beinahe jedem Stock stieg jemand ein oder aus und dadurch bedingt brauchte der Aufzug auch sehr lange bis er von ganz oben (Stock 14) bis zum Erdgeschoß und wieder zurück gefahren war. Unser Rekord lag bei 15 Minuten inkl. Wartezeit vor dem Aufzug.

Zoo Bochum:
Am Vormittag des zweiten Tages waren wir im Bochumer Zoo und führten die Tradition fort in jedem Urlaubsort in mindestens einen Zoo zu gehen. Der Bochumer Zoo ist relativ klein und bietet auch nicht allzuviel. Der Höhepunkt war die begehbare Voliere (Bild). Zum Glück kam gegen Mittag die Sonne ein wenig raus und machte den Rundgang durch den Zoo angenehmer. Bei unserer Ankunft in Düsseldorf einen Tag vorher war es so kalt, dass wir sogar unseren Atem sehen konnten (und das Mitte Mai).


Bismarck-Turm:
In Bochum befindet sich der höchste Bismarck-Turm Deutschlands. Die Bismarck-Türme wurden zu Ehren des Kanzlers nach seinem Tod in ganz Deutschland aufgestellt. Jeweils am Geburtstags Bismarcks wurden bis in die 20er-Jahre die Feuerschalen auf der Spitze entzündet. Heute steht die Feuerschale neben dem 33 Meter hohen Turm, der durch Stufen an der Innenseite erklommen werden kann. Von der Spitze hat man einen tollen Ausblick über die angrenzenden Städte wie Dortmund und Gelsenkirchen. Außerdem sieht man von dort auch sehr schön die Starlight-Express-Halle, unser Ziel für den Abend.


Starlight-Express:
Der eigentliche Besuchsgrund in Bochum war der Besuch von Starlight-Express. Ich hatte mir nicht allzuviel erwartet, wurde aber eines Besseren belehrt, denn das Musical ist wirklich fantastisch. Die Geschichte dürfte bekannt sein, ein paar Loks einer Modelleisenbahn fahren um die Wette, die Loks und die Waggons werden durch Menschen auf Rollschuhen dargestellt. Die Bühne ist in mehrere Teile aufgeteilt sodass direkt um einen herum die Darsteller fahren (wenn man unten sitzt). In den Rängen ist eine weitere Bahn auf denen die Züge bei den Rennen auch vorbeikommen oder auch kämpfen und dabei gegen die Bande krachen. Aufgrund des besonderen Aufbaus der Halle wird dieses Musical nur in Bochum oder London gespielt. Jeder der in einer der beiden Städte vorbeikommt, sollte sich dieses Musical auf alle Fälle ansehen und sich auch über den Standort der Halle in Bochum informieren, der Weg dorthin ist nämlich nicht beschildert und die Idee einfach der Menschenmasse zu folgen ist nicht unbedingt sicher, die Menschenmassen haben nämlich auch keine Ahnung.

ZOOM Erlebniswelt:
Am Samstag waren wir mit Freunden in der ZOOM Erlebniswelt in Gelsenkirchen. Diese besteht aus 3 Zonen, der Alaska-Welt, der Afrika-Welt und der Asien-Welt. Der Park ist weitläufig, die Gehege sind immer von mehreren Seiten einsehbar und man sieht einige Tiere, die man in anderen Tierparks selten zu Gesicht bekommt. Das Besondere ist der abwechslungsreiche Aufbau des Tierparks. Hängebrücken wechseln sich mit Höhlentunneln ab, dann geht man wieder ein wenig durch den Wald, kann auf einen Hochstand steigen oder eine kleine Bootsrundfahrt machen. Das einzig Traurige ist die geringe Anzahl an Raubkatzen, da bekommt man in den meisten Zoos etwas mehr zu sehen. Zum Abschluss gingen wir gemeinsam essen und da durfte ich erfahren, dass in Deutschland ein großes Bier 0,4l bedeutet.

Rückreise:
Die Rückreise war wie die Hinreise lang, als Highlight gab es noch leichtere Turbulenzen.

Alles in allem war es eine tolle Reise, ich kann Starlight Express nur weiterempfehlen, das muss man gesehen haben und auch die ZOOM Erlebniswelt ist einen Besuch wert.