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Donnerstag, 11. April 2013

Die Ohnmacht des Konsumenten

Jetzt ist der ganze Pferdefleisch-Skandal schon wieder ein paar Wochen her und die medialen Wogen haben sich geglättet. Man kann aber davon ausgehen, dass im Laufe der nächsten Monate wieder irgendein anderer Skandal in Verbindung mit Lebensmitteln aufgedeckt wird.

Im Laufe der Berichterstattung bin ich über 2 Sätze gestolpert, die ich bis jetzt nicht vergessen habe. Der erste Satz stammt von Sozialminister Hundstorfer, der anmerkte, dass es man aufgrund des Preises eines Produkts nicht automatisch auf dessen Qualität schließen kann. Der zweite Satz stammt von Frank Hensel, dem Chef von Rewe Österreich, der der Meinung ist, dass der Konsument mittels Wikipedia und Google zum Spezialisten im Bereich der Lebensmittelkontrolle wird und mit seiner Kaufentscheidung die ultimative Macht hat.

Gerade die zweite Aussage hat mich leicht verärgert. Ich denke, dass "Einkaufen mit gutem Gewissen" noch nie so schwer war wie heutzutage.

Sehen wir uns mal den Kauf von Fleisch an. Woran kann sich der Konsument orientieren? Offensichtlich nicht am Preis, wie wir vom Sozialminister gehört haben. Der Ruf den Supermarkt-Fleisch im Internet (Forum auf derStandard.at) hat ist nicht gut (wobei auch hier nicht immer klar ist, warum). Also sollte man Fleisch nur beim Fleischhauer kaufen, aber auch hier weiß ich nichts von der Herkunft und die wenigsten schlachten heutzutage noch selbst, sie sind also selbst nur Verkäufer. Auch Qualitätssiegel sind keine Garantie dass alles in Ordnung ist (dazu unten mehr) und zu allem Überfluss ist noch nicht einmal klar was alles wichtig ist.

Wie definiert sich nämlich "Fleisch mit gutem Gewissen"? Hier nur ein paar Fragen, die sich mir stellen:
  • Wurden die Tiere in Massentierhaltung gehalten? Wie waren die Bedingungen? Ging es den Tieren bis zur Schlachtung gut?
  • Ist das Fleisch aus Österreich oder wurde es quer durch Europa gefahren? Wo wurde das Fleisch produziert, wo verpackt? Wie sind die Arbeitsbedingungen in diesem Land (aus hygienischer und sozialpolitischer Sicht)?
  • Ist das Fleisch bio und was heißt das überhaupt?
  • Was haben die Tiere zu fressen bekommen und wo kam das Futter her? Wurde das Futter gentechnisch verändert? Ist das Futter auf Kosten des Regenwalds hergestellt worden?
Und jetzt soll mir Herr Hensel zeigen, wo er diese Informationen in "Google und Wikipedia" für das Rindfleisch findet, dass ich am Samstag beim Merkur kaufe. Der Konsument ist macht- und orientierungslos. Wie undurchsichtig das Ganze geworden ist hat man bei der Cause Pferdefleisch ganz gut gesehen. Über Tage war nicht klar, woher das Fleisch wirklich war und welch weiten Weg es quer durch Europa genommen hat um schließlich in der Lasagne zu landen. Wie soll ich das dann herausfinden?

Bis jetzt habe ich mich nur auf das Fleisch konzentriert, möchte aber noch ein paar andere Produktgruppen anführen, bei denen ich ähnliche Probleme habe:
  • Fertiggerichte verkomplizieren das ganze Problem noch. Denn um wirklich mit reinem Gewissen zu essen, müsste man jeden Bestandteil des Produkts zurückverfolgen. Da können sich  hinter Bezeichnungen wie "Vollei" Eier aus Käfighaltung verbergen und wo das Fleisch herkommt hat man ja gesehen (oder eben nicht).
  • Praktisch bei jedem Produkt muss man sehr viele Faktoren berücksichtigen, wie man am Beispiel Teigwaren recht gut sieht. Die Firmen Recheis und Wolf sind in fast jedem Supermarkt zu finden. Jetzt sollte man den Preis (meistens gleich), die Herkunft der Eier (bei beiden Freilandeier) und die Herkunft (beide Österreich) berücksichtigen. Wolf sticht dann noch hervor weil die Teigwaren CO2-neutral hersgestellt wurden, aber Recheis hat das intelligentere Verpackungssystem - was zählt da mehr? Bin ich ein schlechter Mensch, wenn ich Recheis kaufe?
  • Bei Lebensmitteln hört das Ganze aber nicht auf. Bei amazon, Liedl, kik (Arbeitsbedinungen) sollte man vermeiden zu kaufen, aber wer sagt mir, dass die Mitarbeiter bei Thalia, Hofer und C&A besser behandelt werden? Bei H&M soll man nicht kaufen, weil das Gewand in Billiglohnländern hergestellt wird, aber welcher Kleidungshersteller produziert in Österreich und ist auf Dauer erschwinglich?
Außerdem bin ich alleine - selbst wenn ich mir Gedanken mache und mir Bio-Eier kaufe, die Person vor und hinter mir greift zur billigen Bodenhaltung. Viele Menschen kaufen das Billigste - ob mit schlechtem Gewissen oder nicht sei dahingestellt. Manche können gar nicht anders, mache wissen es nicht besser und manchen wird es egal sein.

Der Kunde hat also keine Orientierung und ich sehe hier wieder einmal die Politik gefordert. Ich habe weder die Zeit, noch die Möglichkeit auf eine faire Herstellung ALLER Artikel zu achten, die ich tagtäglich kaufe. Die Politik hat aber die Möglichkeit Regeln aufzustellen, die mir helfen. Das beginnt bei gesetzlicher Rahmenbedienungen zur fairen Behandlung von Leiharbeitern bis hin zu totaler Transparenz und Regeln für Lebensmittel - Fleisch das dreimal durch Europa fährt, sollte es nicht geben dürfen. Ich bin bereit für sinnvoll, nachhaltig und fair hergestellte Produkte auch etwas mehr zu bezahlen.

P.S. Zum Thema Qualitätssiegel: Bei Tiefkühlfisch gibt es das Siegel des blauen Fisches von MSC, das für nachhaltige Fischerei steht. Bis vor kurzem habe ich das Siegel als Entscheidungskriterium herangezogen, wenn ich Fisch gekauft habe, aber vor ein paar Wochen habe ich die offizielle Greenpeace-Liste gesehen, in der die Fische aufgeführt sind, die man mit reinem Gewissen kaufen kann und dabei erfahren, dass das MSC-Siegel zwar nachhaltige Fischfang kennzeichnet, das heißt aber keineswegs, dass z.B. Schleppnetze verboten wären, die große Schäden am Meeresboden anrichten, also ist auch das Siegel kein Zeichen für lupenreine Produkte. Weiß jemand auswenig wofür das AMA-Gütesiegel steht? Ich musste nachsehen und viele der Fragen, die ich mir oben gestellt habe werden durch das AMA-Gütesiegel nicht beantwortet.

Quellen:
Interview mit Frank Hensel
MSC
AMA Gütesiegel



Donnerstag, 21. März 2013

Les Misérables

Der Film ist eine Adaption des gleichnamigen Musicals, das 1980 uraufgeführt wurde. Das Musical selbst basiert auf dem Buch "Die Elenden" von Victor Hugo.

Die Stardichte in der Filmversion ist nicht zu verachten. Neben Hugh Jackman, Russell Crowe und Amanda Seyfried in den größeren Rollen sind auch noch Anne Hathaway (sie bekam für diese Rolle einen Oscar), Helena Bonham Carter und Sacha Baron Cohen in Nebenrollen zu sehen. Mich persönlich haben am meisten Russell Crowe (spielt Inspektor Javert) und Samantha Barks (Éponine) überzeugt, aber grundsätzlich haben alle Schauspieler sehr gute Arbeit geleistet.

Von den Liedern gefallen mir am Besten "Red & Black", "At the end of the day" und natürlich "Do you hear the people sing?", aber auch hier war kein Lied schlecht.

Wenn man was zum Nörgeln suchen will, wird man bei der Filmlänge fündig - die Geschichte wurde sehr ausführlich erzählt und wurde fast ausschließlich von Musik getragen - was nach über 2 1/2 Stunden etwas ermüdend wirken kann.

Einen kleinen Pluspunkt bekommt der Film für eine Reihe wirklich schön klingender Namen, wie z.B.: Fantine, Éponine oder Cosette.

Alles in allem kann ich den Film wirklich empfehlen.

Sonntag, 20. Januar 2013

Fortschritt im demokratischen Prozess?

Die letzten Wochen hat eine Frage die Medien dominiert: Soll die Wehrpflicht beibehalten werden? Über das Für und Wider wurden viele Diskussionen geführt und ich werde für die Abschaffung der Wehrpflicht stimmen, es gibt für mich kaum einen Grund dieses halbe Jahr Zwangsdienst zu erhalten.

Was aber im Vorfeld deutlich zu sehen war, ist die Tatsache, dass dieser begrüßenswerte Schritt im demokratischen Prozess - eine Volksbefragung - von den Parteien mangelhaft vorbereitet wurde. Ideal wäre es gewesen zwei Konzepte zu präsentieren zwischen denen man wählen kann. Stattdessen bekommt man das Konzept "Sozialjahr" präsentiert, deren genaue Umsetzung noch unklar ist und als Alternative hat man nur die Option nichts zu ändern. Die ÖVP hat angeblich ein Konzept, verrät es aber nicht.

Statt also das Volk zu informieren, damit es eine auf Fakten basierende Entscheidung treffen kann wurde wieder einmal ein ein parteipolitisches Schauspiel aufgeführt. Das sieht man an der medialen Berichterstattung, bei der festgelegt wird, wer bei welchem Ausgang zurücktreten müsse, dass diese Befragung ein Auftakt in das Superwahljahr und eine Zerreißprobe für die Koalition sei.

Ich will aber heute nicht für die SPÖ oder die ÖVP stimmen, sondern eine Richtung vorgeben, in die sich Österreichs Verteidigungspolitik entwickelt.

Leider haben die Parteien in Österreich noch nicht gelernt, dass man eine dermaßen elementare Frage auf der sachpolitische Ebene bearbeiten sollte. Wie wenig sie das beherrschen merkt man an dem beiderseitigen Meinungsumschwung: Die SPÖ hat flugs ihre Meinung geändert, weil Häupl es so wollte und die ÖVP hat ebenso ihre jahrelange Überzeugung über Bord geworfen (Grund war ein "intensiver Nachdenkprozess" - ob das Rückschlüsse darauf zulässt, worauf die Überzeugung der ÖVP vor diesem Nachdenkprozess begründet war, lasse ich offen). Es geht also wieder einmal nur darum eine andere Meinung als der Koalitionspartner zu haben und nicht darum eine gemeinsame, für Österreich dienliche, Lösung zu finden.

Abschließend kann man nur hoffen, dass trotz allem viele Menschen heute diese Gelegenheit wahrnehmen, um der Politik zu zeigen, dass man gerne mehr Entscheidungen treffen möchte. Ein Kreuz alle 5 Jahre ist eindeutig zu wenig.

Samstag, 5. Januar 2013

Neues YouTube-Design

Wieder einmal hat YouTube sein Aussehen und seine Funktionalität verändert, etwas was ja bei dieser Seite relativ häufig vorkommt (erinnert sich noch jemand an die Videobewertung mit Sternen?).

Wie bei jeder Umstellung gefällt mit auch diese zunächst einmal nicht. Was besser daran ist, dass der Videotitel jetzt unter dem Video selbst angezeigt wird, kann ich nicht verstehen. Aber das ist eine der kleinen Änderungen, mit denen ich mich mit der Zeit anfreunde und sie dann gar nicht mehr bemerke - in manchen Fällen (z.B.: die Möglichkeit auf Kommentare antworten zu können und das mit einem Klick zu sehen) finde ich die Änderungen im Nachhinein sogar sehr gut, die angesprochene Funktionalität kam, soweit ich mich erinnere, mit dem letzten YouTube-Redesign.

Was mich aber wirklich stört sind die Vorschläge für weiterführende Videos: Bis jetzt war es immer so, dass einem Videos vorgeschlagen wurde, die irgendwie mit dem aktuellen Video zusammenhängen. Wenn ich mir also ein Fußballvideo angeschaut habe, dann habe ich auch Fußballvideos in den Vorschlägen gehabt. Seit dem Update sind es nur mehr 2-3 Fußballvideos, der Rest wird mit Videos gefüllt, die irgendwas mit anderen Videos zu tun haben, die ich mir sonst anschaue (z.B.: Kabaretts, Musik oder andere Videos und Kanäle, die ich regelmäßig anschaue). Das finde ich schade, denn gerade bei Musik springe ich gerne von Video zu Video und höre mir Musik an, die ich noch nicht kenne bzw. wenn ich mir Fußballvideos anschaue, dann will ich keine Musik hören - ich bin eben kein "Themenhopper".

P.S. Wenn jemand ein sinnvolles Synonym für Video hat, dann lasst es mir bitte zukommen.

Donnerstag, 3. Januar 2013

Realitätsverweigerung

Er traue sich das Amt des Kärntner Landeshauptmannes zu, nun brauche er das Vertrauen der Kärntner, so Bucher. Jedenfalls habe er das Ziel, Rot-Grün in Kärnten zu verhindern und eine Landesregierung "rechts der Mitte" zu bilden. Das BZÖ sei eine stolze Partei in Kärnten, "vor allem mit Anstand und Charakter, im Gegensatz zur FPK, die das Land verraten und verkauft haben an die Bundes-FPÖ." Die "Scheuch-Brüder" würden aber nach der Wahl keine Rolle mehr spielen, die FPK werde die Führungsmannschaft nach der Wahl austauschen. Dann wäre auch eine Koalition mit der FPK wieder vorstellbar. (Quelle: http://oe1.orf.at/artikel/327390)

 Bucher möchte also eine Koalition "rechts der Mitte" bilden. Damit kann er also nur eine Koalition mit der FPK meinen, jener Partei der er Charakter- und Anstandslosigkeit vorwirft und die Bucher vor drei Jahren eiskalt das Messer in den Rücken gerammt hat, also auch jener Partei, in der Uwe Scheuch tätig war, der inzwischen verurteilt wurde.

Oder aber er meint eine Koalition mit der ÖVP, deren Obmann vor kurzem auch verurteilt wurde.

Ich weiß, dass Wahlen in Kärnten immer etwas "eigenartige" Ergebnisse zutage liefern, aber wie kommt Bucher auf die Idee, dass die Menschen das BZÖ wählen, also die Partei die auf Bundesebene gerade von Stronach aufgekauft wird und auf Landesebene zum größten Teil vom FPK übernommen wurde? Wie kann Bucher ernsthaft glauben, dass er Landeshauptmann wird?

Mittwoch, 2. Januar 2013

Der Hobbit - Eine unerwartete Reise (Spoilerfrei)

Die Technik:
Ich habe den Film in 3D mit HFR gesehen. Ob die hohe Framerate etwas nützt, kann ich nicht sagen, weil mir der direkte Vergleich fehlt. Die 3D-Effekte sind nicht schlecht, und an ein zwei Stellen wirklich gut, die Qualität des Films verbessern die Effekte aber nicht.

Der Film:
Wer "Herr der Ringe" mochte wird auch "Der Hobbit" mögen. Im Gegensatz zur Ring-Trilogie ist dieser Film etwas heiterer und wirkt weniger bedrohlich. In den Vorgängern war immer eine sehr düstere Grundstimmung. Selbst wenn einmal eine Schlacht gewonnen wurde, war immer klar, dass das große Böse noch lange nicht besiegt ist und die Welt noch immer einer großen Gefahr ausgesetzt ist, dieses Gefühl hatte ich bei "Der Hobbit" nicht.

Der Teilung des Buches in drei Filme brachte ich Skepsis entgegen, aber der Film wirkt nirgends künstlich gestreckt oder langweilig. Auch dass nicht an Wiedersehen mit den Figuren aus den ersten drei Filmen gespart wird, empfand ich nicht als störend, wie man in manchen Kritiken lesen konnte, im Gegenteil, es passte gut in den Film. Ich freue mich auf alle Fälle schon auf die Teile zwei und drei, die in den nächsten beiden Jahren zu sehen sein werden.

Dienstag, 1. Januar 2013

Silvester

In der Gruppe der unnötigsten und nervigsten Feiertage des Jahres nimmt Silvester auch dieses Jahr wie gewohnt den Spitzenplatz ein. Dabei ist es gar nicht die Schuld des 31.12. an sich sondern die Art wie dieses Datum hierzulande gefeiert wird.

Glücksfische - immer von hinten essen
Ich finde es in Ordnung, am Ende des Jahres die letzten 12 Monate Revue passieren zu lassen und sich auf das neue Jahr einzustellen. Es ist auch nichts dagegen einzuwenden, mit Freunden oder der Familie anzustoßen und Glücksbringer auszutauschen. Ich habe auch nichts gegen Glückfische oder das traditionelle Bleigießen mit der ewigen Frage - "WAS ist das?". Und ich habe auch kein Problem damit, wenn um Mitternacht Raketen in den Himmel geschossen werden.

Was ich aber nicht ausstehen kann: Wenn von Mitte Dezember bis in die erste Jänner-Woche sinnlose Knaller abgefeuert werden und dabei keine Rücksicht auf nahestehende Menschen und Tiere genommen wird, wenn jedes Jahr am ersten Jänner in den Nachrichten zu lesen ist, dass Menschen andere Menschen mit Knallern verletzt haben, dass Kinder an Knaller kommen, für die sie offensichtlich nicht alt genug sind, dass Raketen ab  ca. 20.00 Uhr abgefeuert werden (ist es so schwer die Uhr zu lesen?) oder dass mit selbstgebauten Raketen (oder mit absolut keiner Rücksicht oder mit Kombinationen davon) in verbautem Gebiet hantiert wird.

Ich bin möglicherweise vorbelastet, weil ich selbst miterlebt habe, wie manche Haustiere zu Silvester leiden, aber ich verstehe nicht, wieso Idioten, Alkoholisierte und alkoholisierte Idioten an diesem Tag Narrenfreiheit haben und mich damit potentiell in Gefahr bringen oder zumindest meine Lebensqualität einschränken dürfen.

Somit bleibt noch eines: Zu Silvester das Haus nicht zu verlassen, und den Jahreswechsel in der kleinen Runde zu feiern.

Trotz allem: Ein frohes neues Jahr 2013!