Standard: Apropos Filz: Die ÖVP will nun auch einen U-Ausschuss zur Telekom. Ihre Vorstellungen, welche Causen zu beleuchten sind?
Kopf: Faktum ist, dass der U-Ausschuss, der noch vor Weihnachten beschlossen und im ersten Quartal 2012 seine Arbeit aufnehmen sollte, auf konkrete Vorwürfe eingegrenzt gehört. Wie etwa jene gegen Ex-Vizekanzler Hubert Gorbach - ebenso sind alle Fragen, die Beraterhonorare für Walter Meischberger, Peter Hochegger, Alfons Mensdorff-Pouilly oder Kurt Gartlehner betreffen, aufklärungsbedürftig.
Standard: Was ist mit der milliardenteuren Blaulichtfunk-Affäre, in die Ex-Innenminister Ernst Strasser verwickelt gewesen sein soll?
Kopf: Das hat der Rechnungshof schon einmal geprüft - und auch Innenministerin Johanna Mikl-Leitner nimmt sich dessen noch einmal an. Es macht daher kaum Sinn, das im U-Ausschuss erneut aufzurollen.
Interessante Argumentation. Weil sich eine ÖVP-Ministerin das Vorgehen eines ÖVP-Ex-Ministers ansieht, können wir beruhigt aufatmen. Der Untersuchungsausschuss soll sich lieber mit BZÖ/FPÖ-Politkern beschäftigen, die natürlich nur rein zufällig unter Schüssel Minister waren und somit in keinster Weise mit der ÖVP in Verbindung zu bringen sind. Außerdem ist Strasser bekanntermaßen ein unbescholtener Bürger, was soll da also schon nicht mit rechten Dingen zugegangen sein?
Standard: Wie lange soll der U-Ausschuss arbeiten?
Kopf: Freilich gibt es im Parlament ein paar Abgeordnete, die sich gern als Ersatzstaatsanwälte aufspielen. Aber aus meiner Erfahrung wäre alles, was über ein halbes Jahr hinausgeht, nicht zielführend - weil die Qualität der Arbeit und das öffentliche Interesse stark abnehmen.
Selten hab ich so eine ehrliche Antwort gelesen. Ein Untersuchungsausschuss ist solange zu führen, solange die Bevölkerung dafür Lust hat. Danach bringt er ja keine Wählerstimmen mehr und ist sofort einzustellen. Sonst könnte am Ende ja noch ein Ergebnis rauskommen. Das ist das Demokratieverständnis unserer Politiker, sämtliche Entscheidungen werden nur mit Blick auf die Wählerstimmen gefällt. Die nächste Nationalratswahl steht ja unmittelbar bevor.