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Donnerstag, 15. September 2011

Untersuchungsausschuss a la Kopf

Der Standard hat heute ein Interview mit ÖVP-Klubchef Karlheinz Kopf geführt. Dabei waren die üblichen Positionen der Volkspartei zu lesen. Interessant waren aber die Aussagen Kopfs zu Untersuchungsausschüssen.

Standard: Apropos Filz: Die ÖVP will nun auch einen U-Ausschuss zur Telekom. Ihre Vorstellungen, welche Causen zu beleuchten sind?

Kopf: Faktum ist, dass der U-Ausschuss, der noch vor Weihnachten beschlossen und im ersten Quartal 2012 seine Arbeit aufnehmen sollte, auf konkrete Vorwürfe eingegrenzt gehört. Wie etwa jene gegen Ex-Vizekanzler Hubert Gorbach - ebenso sind alle Fragen, die Beraterhonorare für Walter Meischberger, Peter Hochegger, Alfons Mensdorff-Pouilly oder Kurt Gartlehner betreffen, aufklärungsbedürftig.

Standard: Was ist mit der milliardenteuren Blaulichtfunk-Affäre, in die Ex-Innenminister Ernst Strasser verwickelt gewesen sein soll?

Kopf: Das hat der Rechnungshof schon einmal geprüft - und auch Innenministerin Johanna Mikl-Leitner nimmt sich dessen noch einmal an. Es macht daher kaum Sinn, das im U-Ausschuss erneut aufzurollen.

Interessante Argumentation. Weil sich eine ÖVP-Ministerin das Vorgehen eines ÖVP-Ex-Ministers ansieht, können wir beruhigt aufatmen. Der Untersuchungsausschuss soll sich lieber mit BZÖ/FPÖ-Politkern beschäftigen, die natürlich nur rein zufällig unter Schüssel Minister waren und somit in keinster Weise mit der ÖVP in Verbindung zu bringen sind. Außerdem ist Strasser bekanntermaßen ein unbescholtener Bürger, was soll da also schon nicht mit rechten Dingen zugegangen sein?

Standard: Wie lange soll der U-Ausschuss arbeiten?

Kopf: Freilich gibt es im Parlament ein paar Abgeordnete, die sich gern als Ersatzstaatsanwälte aufspielen. Aber aus meiner Erfahrung wäre alles, was über ein halbes Jahr hinausgeht, nicht zielführend - weil die Qualität der Arbeit und das öffentliche Interesse stark abnehmen.

Selten hab ich so eine ehrliche Antwort gelesen. Ein Untersuchungsausschuss ist solange zu führen, solange die Bevölkerung dafür Lust hat. Danach bringt er ja keine Wählerstimmen mehr und ist sofort einzustellen. Sonst könnte am Ende ja noch ein Ergebnis rauskommen. Das ist das Demokratieverständnis unserer Politiker, sämtliche Entscheidungen werden nur mit Blick auf die Wählerstimmen gefällt. Die nächste Nationalratswahl steht ja unmittelbar bevor.

Politische Lage nach der Blogpause

Die letzten Monate habe ich mir Kommentare zur politischen Lage in Österreich verkniffen. Interessanterweise hat sich in dieser Zeit nicht viel getan, die Themen sind noch immer die Wehrpflicht und die Einführung einer Vermögenssteuer. Dazu die tägliche Verlängerung der Liste von Ex-Ministern, die im Visier der Justiz stehen.

Die weltpolitischen Themen wie die Revolution in Libyen, die Aufstände in Syrien und die Finanzprobleme in Südeuropa (allen voran natürlich in Griechenland) nehmen in den Nachrichten natürlich auch einen Platz ein.

Dabei ist interessant zu beobachten, dass die letzteren zwar in den Medien einen Platz einnehmen, von der heimischen Innenpolitik aber kaum kommentiert werden. Ich habe von Spindelegger noch keinen Kommentar zur genannten Revolution und/oder den Aufständen gehört. Zum ganzen arabischen Frühling gab es bestenfalls leere Phrasen. Dabei haben die Medien das Thema nicht vergessen und wirft man einen Blick über die Grenze nach Deutschland, dann sind diese Ereignisse ein großes Thema in der Innenpolitik. Natürlich könnte man argumentieren, dass wir nicht in der NATO sind, dennoch hätte ich mir erwartet zu erfahren, wie Österreich sich bei diesen Themen außenpolitisch positioniert.

Ähnlich ist es bei der Griechenland-Krise. Diese war kurz im Fokus der Politik und Fekter hat erklärt, wie sie das sieht und wie Österreich sich positioniert und was die Position der restlichen EU ist. Das wars dann. Wieder der Blick nach Deutschland: Da vergeht kaum ein Tag, an dem nicht über Euro-Bonds, möglichen Konsequenzen einer Insolvenz und Auswirkungen auf die Wirtschaft diskutiert wird. Dabei meldet sich nicht nur Finanzminister Schäuble zu Wort, sondern auch die Kanzlerin oder Oppositionspolitiker wie Gregor Gysi. In Österreich wird dieses Feld dem Boulevard überlassen und statt sinnvoll informiert zu werden, springen einen Überschriften über "Pleite-Griechen" ins Auge und "Artikel" über die bösen Griechen, die unrechtmäßige Pensionen bezogen haben. Tenor: Die haben es nicht anders verdient, die haben ja nie gearbeitet.

Für Spindelegger und Fekter dürfte es aber wichtiger sein über Leistung zu sinnieren (wobei man bei der ÖVP nicht mehr sicher sein darf, was sie damit meint), statt sich um Außenpolitik zu kümmern und den Weg, den sie als Repräsentanten Österreichs gehen, dem Volk zu erklären. Und dass sich der Kanzler nicht meldet verwundert kaum, das Thema ist ja wenig dazu geeignet schnell Wählerstimmen einzusammeln.

Samstag, 30. April 2011

Leipzig

Anreise:
Wie üblich ging unser Flug bereits in den frühen Morgenstunden (6 Uhr), darum war ein frühes Aufstehen angesagt. Der Flug verlief ohne Zwischenfälle, bei der Bahnfahrt gab es die erste Überraschung. Die Fahrt mit dem ICE, der kurz nach unserer Ankunft am Flughafen Leipzig/Halle losgefahren wäre, hätte doppelt soviel gekostet wie die Fahrt mit dem Regionalzug. Wir entschieden uns deshalb mit dem langsameren, aber billigeren Zug zu fahren und nutzten die Zeit um Flugzeugen zuzusehen, die über eine Brücke direkt über der Autobahn bzw. den Gleisen zu ihren Abflugpisten fuhren. Die weitere Anfahrt verlief ohne weitere Überraschungen. Wir brauchten nur ein wenig Zeit um eine Verkaufsstelle für die Leipzig-Card zu finden. Das Verkehrsnetz in Leipzig ist gut ausgeschildert, vom Knotenpunkt in der Innenstadt gibt es gute Verbindungen in die einzelnen Stadtteile.

Das Hotel:
Das Parkhotel Diani ist sehr zu empfehlen. Das Hotel liegt in ruhiger Lage, das Personal ist freundlich und die Zimmer waren groß genug.

Völkerschlachtdenkmal:
Noch am selben Tag (Samstag) besuchten wir das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig. Das Denkmal ist stolze 91m hoch und befindet sich leider noch in einer Renovierungsphase. Trotzdem gibt es eine Menge zu sehen. Um ganz nach oben zu kommen gibt es zurzeit nur die Möglichkeit mit dem Aufzug zur zweithöchsten Ebene zu fahren und von dort die Stufen zu nehmen, nach der Renovierung soll es möglich sein auch den ganzen Weg zu Fuß zu bewältigen. Interessanterweise kann man für den Weg nach unten die Stufen nehmen und der war schon mehr als anstrengend. Zur Belohnung gibt es von oben eine schöne Aussicht über Leipzig. Im angeschlossenen Museum kann man dann einiges über die Geschichte Sachsens zur Zeit Napoleons erfahren. Wir machten dann noch einen kurzen Abstecher in die Innenstadt und ließen den Tag gemütlich ausklingen.

Zoo Leipzig:
Der eigentliche Grund für unsere Reise war der aus der Fernsehserie "Elefant, Tiger & Co." bekannte Zoo in Leipzig, für dessen Besuch wir den Sonntag vorgesehen hatten. Der Zoo ist sehr schön, einige Tiere wie Hyänen und Mähnenwölfe sieht man in anderen Zoos selten. Die Savannen-Anlage und die Menschenaffenanlage (Schimpansen, Gorillas, Orang-Utans und Bonobos) sind sehr schön und zählen zu den Highlights. Mir persönlich haben allerdings die Schneeleoparden am besten gefallen. Interessant ist die Aufteilung des Zoos in verschiedene Bereiche für die einzelnen Kontinente, etwas, dass wir in der Zoom-Erlebniswelt schon gesehen haben - in Leipzig ist die Trennung aber (noch) nicht so streng durchgezogen. In unserem Zoo-Ranking belegt der Zoo sicher einen der vorderen Plätze, der Tierpark in Berlin hat mir aber etwas besser gefallen.

Zeitgeschichtliches Forum:
Dieses Museum, dass sich mit der Geschichte der DDR beschäftigt, war unser Ausflugsziel am Montag. Die (kostenlose) Dauerausstellung ist wirklich groß und so brauchten wir mehrere Stunden um das ganze Museum zu sehen. Sehr interessant ist die Idee der Videozeitzeugen. Am Eingang kann man sich an einem Terminal eine Person nach Geschlecht und Alter aussuchen und bekommt eine Karte. Mit dieser Karte kann man an mehreren Stellen im Museum kurze Zeitzeugenberichte dieser Person ansehen. So sieht man welche Auswirkungen die Geschichte der DDR auf eine einzelne Person hatte, was die Geschichte lebendig macht. In unserem Fall war es eine Frau, die zum Ende des Krieges aus dem Osten geflohen ist und die sich schließlich in den staatlichen Vereinen der DDR engagierte. Die Wende selbst hat sie nur zu einem gewissen Teil als positiv empfunden, unter anderem da sie ihren Arbeitsplatz verloren hat. Den restlichen Tag verbrachten wir mit einem Spaziergang durch die Innenstadt.

Asisi-Panometer:
Eigentlich hatten wir für den Dienstag eine Reise nach Dresden geplant gehabt. Leider hätten wir dafür eine lange Reise mit dem Regionalzug oder eine teure Reise mit dem ICE in Kauf nehmen müssen und der Wetterbericht hatte Regen und Gewitter angekündigt. Deshalb entschieden wir uns um und besuchten stattdessen das Panometer in Leipzig. Wir wussten kaum was uns erwartet, irgendwas mit Amazonas und Tieren, die man nur mit einem Fernrohr sieht, wurde angekündigt, aber was genau ein Panometer sein soll, konnten wir uns nicht vorstellen.
Am Anfang geht man durch eine Ausstellung, die sehr viele interessante Informationen über die Natur des Amazonas gibt. Diese Informationen werden mit visuellen Hilfsmitteln sehr gut vermittelt. So gibt es eine Nachbildung von einem riesigen Baum, eine 60-fach vergrößerte Stechmücke, eine Sammlung von Insekten des Regenwalds und vieles mehr, was alleine schon die Ausstellung sehenswert macht. Dann folgt allerdings das Highlight: In einem runden Raum ist ein 30 Meter hohes, 360°-Panoramabild an der Wand angebracht. Auf diesem Bild ist eine komprimierte Darstellung der Fauna und Flora des Amazonas-Dschungels. Das Bild ist enorm detailgetreu und wird mit Geräuschen wie dem Quacken von Fröschen, Donner und Regenfall usw. untermalt. Alle paar Minuten gibt es einen Tag- und Nachtwechsel. Das Licht in der Halle wird dann abgedreht und das Bild verändert sich - der Mond und Sterne werden sichtbar, die hörbaren Töne verändern sich. Um ansatzweise alle Tiere zu sehen, sollte man sich beim Eingang ein Fernrohr mieten. Das Bild und das Gefühl in diesem Raum zu beschreiben ist eigentlich nicht möglich, das muss man erlebt haben. Es gibt zwar auf der Homepage ein paar Bilder, diese können aber das Erlebnis bei weitem nicht erreichen. Jeder, der in der Nähe von Leipzig ist, sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen und das Panometer besuchen, solange es diese Ausstellung noch gibt.

Rückreise:
Unser Flug war für 8:00 Uhr angesetzt, deshalb war wieder ein frühes Aufstehen um 4:15 notwendig. Am Flughafen kam dann die große Ernüchterung, unser Flug war wegen technischen Problemen ausgefallen, wir wurden umgebucht. Statt einem Direktflug flogen wir über München nach Wien und durften außerdem in Leipzig auch noch länger auf den ersten Flug warten, der dann zusätzlich noch 20 Minuten verspätet abflog. In München stiegen wir aus dem einen Flieger aus, durchquerten den ganzen Flughafen und stiegen dort gleich in den nächsten Flieger ein (das Boarding hatte frühzeitig begonnen, dafür saßen wir länger im Flieger ohne loszufliegen). Um 12:30 waren wir endlich in Wien.

Fazit:
Leipzig ist definitiv eine Reise wert, die Sehenswürdigkeiten haben uns alle gut gefallen.

Donnerstag, 10. Februar 2011

Hochprozentiges

Anhand eines ORF-Artikels ein paar kleine Zahlenspielereien zum Thema Umfragen. Einen Satz des Artikels möchte ich ganz an den Anfang stellen:

Für die Studie wurden 1.000 Personen telefonisch befragt.
Der Einfachheit halber gehen wir davon aus, dass in jedem Bundesland 112 Personen befragt wurde, die Personen also nicht nach der Bevölkerungsverteilung der Bundesländer ausgeteilt wurden.
In Wien gibt es so viele Singles wie nirgendwo sonst in Österreich. Mit 33 Prozent beziehungsweise 399.000 alleinstehenden Frauen und Männern liegt Wien an der Spitze, geht aus einer IFES-Umfrage hervor.
33 Prozent von 112 sind 37 Personen. Von diesen 37 Personen wird auf 399.000 Personen geschlossen.
Nach Wien gibt es in Niederösterreich (32 Prozent Singles) die wenigsten Paare. Ein eklatanter Unterschied zu Oberösterreich, wo bis auf elf Prozent (102.000) alle 18- bis 69-Jährigen im Dezember eine Beziehung hatten.
In Oberösterreich gab es also nur 12 Singles, also ganze 25 weniger als in Wien. Das muss natürlich für das ganze Bundesland gelten. Außerdem können wir hier leicht von 12 auf 102.000 Personen schließen.

Österreichweit ist jeder Vierte Single, und mehr als die Hälfte verbringen das Leben schon mehr als drei Jahre ohne Partner.
Jeder vierte ist nicht in einer Beziehung (250 der Befragten) und die Hälfte davon (125) sind "Langzeitsingles". Von diesen ist es ein Katzensprung auf eine Million für ganz Österreich.

Bei fast einem Viertel der Männer sowie rund einem Drittel der Niederösterreicher und Steirer spielt auch Schüchternheit eine Rolle.
250 Singles bedeutet 125 alleinstehende Männer, ein Viertel davon sind 31 schüchterne Männer.
Eine ähnliche Zahl (37) kommt für die schüchternen Niederösterreicher und Steirer raus (wenn damit in diesem Zusammenhang Männer und Frauen gemeint sind, ansonsten muss man den Wert noch einmal halbieren).

So geht es den restlichen Artikel munter weiter. Die Aussage von "Österreich", wonach dies eine repräsentative Umfrage sei, hat man sich beim ORF glücklicherweise gespart.

Mir ist schon klar, dass man für eine Umfrage unmöglich die gesamte Bevölkerung fragen kann, aber von 1000 auf über 8 Millionen zu schließen (0,012%), ist einfach nur grober Unfug und in keinster Weise informativ. Die IFES hat die Umfrage übrigens für das Singleportal Parhsip.at durchgeführt. Für mich stellt sich da die Frage, ob man durch die "repräsentative" Auswahl nicht einfach ein für den Auftraggeber erfreuliches Ergebnis (viele Singles) erzeugen wollte.

Link zum ORF-Artikel: http://wien.orf.at/stories/493814/
Link zur IFES-Umfrage: http://www.ifes.at/index.php?aNUM=1&newsId=194

Wie österreichische Innenpolitik funktioniert

1) Ein österreichischer Politiker, dem die Medien zuhören zieht ein Thema ins Rampenlicht, von dem er glaubt, dass es bei den Wählern gut ankommt. Verstärkt ist dieses Verhalten in Wahlkampfzeiten, Vorwahlkampfzeiten und Zwischenwahlkampfzeiten zu finden. Beliebte Themen sind Bildung, Sicherheit und Gesundheit.

2) Die Medien greifen das Thema auf und lassen es somit an Bedeutung gewinnen.

3) Sobald das Thema lange genug in den Medien war, sieht sich der zuständige Minister genötigt, Vorschläge auszuarbeiten. Das dauert einige Wochen. Diese Wochen sind eine sehr wichtige Phase, weil jetzt alle Menschen, die wichtig sind (oder das glauben) ihre Vorstellungen und Positionen zu diesem Thema bekanntgeben. Zu dieser Menschengruppe gehören Landeshauptleute, Ressortsprecher, (selbsternannte) Experten, Gewerkschaften, Jugendorganisationen, Seniorenorganisationen und je nach Lust und Laune Parteichefs oder andere Minister. Wichtig in dieser Phase ist auch das frühe Einmauern des Koalitionspartners. Ehe also ein Konzept steht, muss schon kommuniziert werden, dass gewisse Dinge unverrückbar sind und auf keinen Fall überhaupt nur zur Diskussion stehen dürfen.

4) Sobald das Konzept veröffentlicht wurde, müssen alle Parteien ihre eingeprobten Rollen zum Besten geben. Die Opposition zerreißt also das Konzept in der Luft, der Koalitionspartner ist etwas milder, lässt aber seine Unzufriedenheit durchblicken. In lustigen Zeiten kann auch schon mal einer aus der eigenen Partei harsche Kritik äußern (auch hier ist eine Wahlkampfzeit ein guter Zeitpunkt zum Querschießen).

Nun können zwei Szenarien eintreffen:
5a) Der Koalitionspartner rügt den Minister und verlangt einen runden Tisch (oder einen Ausschuss oder etwas Ähnliches). Dieser tagt dann über Monate und erstellt einen Bericht, der (sobald die Medien jegliches Interesse an dem Thema verloren haben) in der Versenkung verschwindet (so ähnlich wie beim Österreich-Konvent).

5b) Es wird ein Gesetz erstellt, bei dem beide Koalitionsparteien nicht von ihren unverrückbaren Grundsätzen abrücken müssen. Dieses Gesetz ist dementsprechend ungenau, von Ausnahmen ausgehöhlt und geht meistens am eigentlichen Ziel vorbei. Obwohl die Politiker froh sind, weil sie meinen ihr Gesicht gewahrt zu haben, verärgern sie in Wirklichkeit das Wahlvolk, weil nicht Nägel mit Köpfen gemacht wurden.

Diese Phasen werden in fast alle Fragen durchlaufen, die das Land bewegen, sei es aktuell die Wehrpflichtdebatte, jede Schul- oder Gesundheitsreform bis hin zum Nichtraucherschutz.

Dienstag, 18. Januar 2011

Heeresreform

Ich denke, die Wehrpflicht gehört abgeschafft und ich sage das als jemand, der 8 Monate seines Lebens beim Bundesheer sinnlos vergeudet hat. Mir hat das Bundesheer nichts gebracht und ich denke so geht es vielen.

Deshalb denke ich, dass eine Heeresreform in ein Berufsheer münden sollte. Es steht außer Frage, dass so ein Heer natürlich die Aufgaben des derzeitigen Bundesheers weiterhin erfüllen muss, vor allem im Bereich Katastrophenhilfe. Ich denke, dass daran auch niemand rütteln will, auch wenn manche nicht müde werden diesen Punkt immer wieder zu wiederholen.

Die Zivildienstfrage könnte leicht gelöst werden. Ich würde eine halbjährige Zivildienstpflicht einführen und zwar für alle Staatsbürger inkl. der für den Heeresdienst untauglichen, die zwar untauglich sind, im Arbeitsalltag aber keine Einschränkung haben. Dieser Dienst, so denke ich, würde den Charakter schulen, er wäre ein Dienst an der Gesellschaft und könnte Wissen (zB.: im Bereich Erste Hilfe) vermitteln.

Was die Frage der Neutralität angeht: Österreich ist de facto nicht mehr neutral. Wir sind Mitglied der EU und haben zB der USA im Golfkrieg Überflugsgenehmigungn erteilt. Die Neutralität kann heutzutage kein Hinderungsgrund für ein Berufsheer sein, ich würde sogar so weit gehen, die heilige Kuh Neutralität zu schlachten. Das heißt nicht, dass man in Kriege ziehen sollte, aber man sollte nicht so tun, als ob es die immerwährende Neutralität noch in ihrer ursprünglichen Form gibt.

Videoabend (Spoiler)

Valentinstag:
Der Film erinnert von Zeit zu Zeit ein wenig an "Tatsächlich Liebe", auch hier gibt es mehrere, lose miteinander verknüpfte Handlungsstränge, von denen alle ganz nett erzählt sind, was durch das hohe Staraufkommen unterstützt wird. Negativ ist nur die grundsätzliche gleiche Geschichte für alle Handlungsstränge, bei denen immer zuerst etwas Schlimmes passiert, am Ende aber doch ein Happy End herauskommt. Trotzdem einer der besseren romantischen Filme der letzten Zeit.

Ghostwriter:
Der Film kommt nie richtig in Fahrt. Zwar spielen Pierce Brosnan und Ewan McGregor ihre Rollen gut, der Film dümpelt aber die meiste Zeit nur dahin. Das ist schade, denn die grundsätzliche Story ist wirklich gut. Enttäuschend ist das Ende. Der Film hört mittendrin auf, quetscht noch schnell einen (unlogischen) Schluss rein und lässt dann auch noch viele Fragen offen. Für die einen mag der Schluss ein kunstvoller Trick von Polanski sein, für mich war er nur unbefriedigend, ich mag lieber ganze Geschichten sehen.

Der Tag, an dem die Erde stillstand:
Ich habe das Original nie gesehen, ging also nicht vorbelastet in den Film. Die grundsätzliche Idee ist wieder gut, die Darsteller waren mittelmäßig, auch wenn Jaden Smith, der Sohn von Will Smith die ganze Zeit über genervt hat. John Cleese, der als fünfter in der Darstellerliste aufscheint, kommt gerade einmal fünf Minuten vor. Auch hier war das Ende wieder einmal ein Reinfall, weil es unnötigerweise kitschig ist.

Samstag, 1. Januar 2011

Videoabend (Spoiler)

Die Twilight Saga-Eclipse:
Nach dem ersten, annehmbaren und dem zweiten, langweiligen Teil folgte nun Teil 3. Im Vergleich zu Teil 2 ist eine Steigerung zu erkennen, vor allem die Rückblendeszenen fand ich sehr gelungen. So bekommen die Figuren etwas mehr Profil. Leider verzettelt sich der Film relativ bald in die selben Themen wie in den vorigen Filmen. Das Thema, dass Bella kein Vampir ist, die Cullens aber schon, wird immer dann unterbrochen, wenn es um den Rivalitätenkampf zwischen Edward und Jacob geht, der eigentlich ja schon in Teil 2 entschieden wurde und sich jetzt nur noch um die Frage dreht, ob Bella Jacob mag oder liebt, was eine untergeordnete Rolle spielt, da sie Edward mehr liebt und heiraten will. Die Animation der Wölfe ist gut gelungen.

Prince of Persia:
Ein Actionfilm, wie es viele andere gibt und der nur ein etwas anderes Ende hat, in dem der Prinz keine Skrupel hat, die Tatsache einzusetzen, dass er die Prinzessin schon sehr gut kennt, sie ihn aber (durch die veränderte Vergangenheit) nicht.

Verblendung (enthält Spoiler)

Normalerweise passt meine Meinung zu Filmen in ein paar knappe Sätze, im Falle von "Verblendung" muss ich aber einfach mehr sagen.

Ich finde den Film abstoßend und kann nicht verstehen, warum er so gehypt wird. Dabei sind es mehrere Faktoren, die mich besonders stören.

Zum einen zeigt der Film mehrere(!) Vergewaltigungsszenen sehr deutlich. Mir ist schon klar, dass solche Verbrechen passieren, aber eine mehrminütige Vergewaltigungsszene mit einer vor Angst und Schmerzen schreienden Frau ist nichts, was ich sehen will, wenn ich mir einen Film ansehe. Und das war nur die Spitze des Eisbergs.

Der Film spart generell nicht mit Gewalt. Neben den erwähnten Szenen dürfen wir uns Bilder von einer verstümmelten, enthaupteten Frau, von einer vergewaltigten Leiche und andere Nettigkeiten ansehen, die man auch anders in die Handlung einbauen könnte. Als Kontrast haben wir mehrere Nacktszenen.

Was mich auch gestört hat ist die Tatsache, dass die Handlung in sich nicht schlüssig ist. In welchem Verhältnis die beiden Hauptdarsteller zueinander stehen ist unklar, warum eine Hackerin, die am Ende Millionen von einem Konto abräumen kann, vorher nicht in der Lage ist, Geld für einen Laptop aufzutreiben, bleibt offen.

Die moralische Botschaft kommt dann noch dazu. Zwischen Lisbeth und Harriet gibt es eine Parallele: Beide wurden vergewaltigt und beide gehen nicht etwa zur Polizei um sich und potentiellen weiteren Opfern zu helfen. Stattdessen tötet Harriet ihren Vater und lässt ihren Bruder unzählige weitere Morde begehen. Lisbeth foltert ihren Peiniger, der gleichzeitig ihr Vormund ist und erpresst ihn, verschwendet aber auch keinen weiteren Gedanken an andere Mädchen und Frauen, die dem Sadisten ausgeliefert sind. In beiden Fällen wird die Selbstjustiz (wie auch gegen Schluss gegen den Täter) als probates Mittel präsentiert um sich zu wehren - die vorangegangen Vergewaltigungsszenen sollen dabei als Rechtfertigung dienen.

Der Haupthandlungsstrang ist annehmbar, aber auch nicht besser als andere Krimiverfilmungen.

Die anderen Teile spar ich mir mit Sicherheit.