Das Gebäude (Bild) ist im Stile des Historismus aufgebaut und ist schon von außen ein Blickfang.
Wer Lust hat dieses Museum zu besuchen, sollte vor allem eines mitnehmen: Zeit. Denn die 4 Flügel auf 2 Stockwerken, die durch eine Ruhmeshalle/Feldherrnhalle verbunden sind, sind an einem Tag kaum zu bewältigen, wenn man wirklich vorhat, alles genau sehen zu wollen.
Direkt am Eingang befindet sich die Feldherrenhalle, ein großer Saal, in dem bedeutende Feldherren und Kaiser der Habsburgerzeit als Figuren aufgestellt sind. Über eine Treppe gelangt man in den ersten Stock, in dem die Ruhmeshalle das Zentrum bildet und hier bleibt einem zum ersten Mal die Luft weg. Der Saal ist prunkvoll und wunderschön mit riesigen Gemälden an der Decke und einer gewaltigen Akustik.
Im ersten Flügel bekommt man eine gute Übersicht über die Waffen und Rüstungen des 17. Jahrhunderts. Beeindruckend sind hierbei die ersten Schusswaffen, die prunkvollen Offiziersrüstungen und die kunstvollen Schwerter. Man erhält einen guten Überblick über die Waffengattungen der damaligen Zeit und erfährt einiges über Prinz Eugen von Savoyen und die Türkenbelagerung. Der Audioguide, der nichts extra kostete, lieferte einige interessante Hintergrundinformationen, die besonders bei den verschiedenartigen Rüstungen sehr aufschlussreich waren.
Im zweiten Flü
gel sind hauptsächlich Stücke aus der napoleonischen Epoche zu bewundern, unter anderem ein Aufklärungsheißluftballon, der von der französischen Armee erbeutet wurde. Ein beträchtlicher Teil dieses Flügels ist auch Erzherzog Karl gewidmet, der damals dem noch unbesiegten Napoleon eine Niederlage zufügen konnte (unter anderem ist eine kleine Version des Reiterdenkmals vom Heldenplatz - siehe Bild - zu sehen).Im dritten Flügel wird die Zeit und das Militär der k. u k.-Monarchie beleuchtet. Beeindruckenste Stücke sind hierbei das Auto des Thronfolgerpaars Franz Ferdinand und Sophie Chotek, in dem sie in Sarajevo ermordet wurden, sowie die Uniform die der Erzherzog dabei trug. Eine große Flagge der k.uk.-Monarchie inklusive Erklärung per Audioguide zeigt sehr gut die Auswirkungen des Ausgleichs zwischen Österreich und Ungarn und viele Bilder zeigen den Aufbau der Armee des Vielvölkerstaats sehr detailliert. Außerdem finden sich hier in einem seperaten Raum Artilleriegeschütze und kleinere Fluggeräte des ersten Weltkriegs. Die Größe der Geschütze und die mannhohe dazugehörige Munition lässt vermuten, was für eine gewaltige Feuerkraft solche Geschütze entwickeln können.
Der vierte Flügel ist Österreich in der Zwischenkriegszeit und während der Nazizeit gewidmet. Neben Wahlplakaten der ersten Republik finden sich Uniformen der Volkswehr und auch Uniformen der SS. Ein seperater Raum widmet sich Österreich als Seemacht und wirkt etwas eigenartig. Man ist nicht gewohnt Kriegsschiffe mit einer österreichischen Flagge zu sehen oder Matrosenuniformen, die auf ihrer Kappe "Kaiserin Elisabeth" aufgedruckt haben.
Alles in allem gibt es im Heeresgeschichtlichen Museum sehr viel Information, die auch sehr gut vermittelt wird. Ein weiterer Pluspunkt ist das geringe Besucheraufkommen (was aber auch daran liegen kann, dass wir an einem Mittwoch zu Besuch waren). Das Museum ist auf alle Fälle einen Besuch wert. Der einzige Minuspunkt: Fotografieren kostet extra und ist auch dann nur ohne Blitz erlaubt, was bei den dortigen Lichtverhältnissen sinnlos ist.
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