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Mittwoch, 16. Juni 2010

Sprichst du deutsch?

Eine Privatschule in St. Johann im Pongau legt den Schülern nahe, Deutsch zu sprechen. Auch in Privatgesprächen ist Deutsch zu verwenden. Die Ausnahme sind Gefühlsausbräuche (besondere Freude oder Ärger), danach solle man aber schleunigst wieder auf Deutsch wechseln.

Mehrere Fragen drängen sich mir auf:
Warum dürfen sich zwei Menschen nicht in der Sprache unterhalten in der sie wollen? Weil sich die 385 deutschsprachigen Schülern der 400 Schüler ausgeschlossen oder ausgelacht vorkommen? Das kann doch bitte kein Grund sein, eine Fremdsprache zu verbieten. Darf in dieser Schule eigentlich Dialekt gesprochen werden oder ist das auch nicht mehr erlaubt, hier könnten sich immerhin die fremdsprachigen Schüler augeschlossen fühlen, die vielleicht hochdeutsch nicht aber Dialekt verstehen können. Und wehe es unterhält sich jemand flüsternd!

Die SPÖ unter Gabi Burgstaller unterstützt diese Aktion (das soll sozialdemokratisch sein?), die ÖVP-Landesrätin Doraja Eberle meint gar: "Wenn jemand nicht Deutsch reden will, dann kann er auch schweigen". Das ist eine offene Verhöhnung und nicht harmloser als die Forderung der FPÖ diese Regelung an allen Schulen einzuführen. Was ist nur mit diesem Land los?

4 Kommentare:

SmaX hat gesagt…

Auch ich unterstütze diese Aktion, es wird ja keine Fremdsprache verboten, es wird lediglich "nahegelegt, dass man in einer einheitlichen Sprache kommunizieren soll". Aus integrationstechnischer Sicht ist das mMn sinnvoll. So wird wenigstens versuch die Schüler auf die selbe Ebene zu stellen.

Just my 2 cent :-)

Lord of the Goats hat gesagt…

Das sehe ich nicht so. Die Schüler werden nämlich nicht auf eine Ebene gestellt, sie werden abgewertet.

Sie dürfen nicht in ihrer Muttersprache miteinander reden. Und das ist Unsinn.

SmaX hat gesagt…

Du meinst also, dass in einer Schulklasse, wo die Klassengemeinschaft gefördert werden sollte, es ok ist, wenn sich - nehmen wir an - einige Schüler dadurch abkapseln, weil sie in ihrer Muttersprache sprechen? Das fördert weder die Integration, noch die Klassengemeinschaft und im Endeffekt kappseln sich die einen dann von den anderen ab.

Außerdem verweißt du schon wieder darauf, dass das alles ein Zwang ist. Soweit ich es verstanden habe, ist es eine Empfehlung an die Schüler, ohne Konsequenzen, wie soll man das auch kontrollieren.

Lord of the Goats hat gesagt…

Es bliden sich in Schulklassen immer Gruppen von Menschen, die in ihrem eigenen "Slang" miteinander kommunizieren.

Wenn diese Empfehlung (ja, es ist kein Zwang, aber du wirst darauf hingewiesen, wenn du es nicht tust und damit wird es exekutiert) wirklich konsequent durchsetzen würdest müsstest du reden im Dialekt, schweigen und flüstern ebenso behandeln, weil es andere ausschließt.